Ed Winterschladen ist eine feste Größe bei Proxima. Seit 20 Jahren begleitet er das Wachstum des Unternehmens und hat die verschiedenen Entwicklungsphasen hautnah miterlebt. In seinen Anfangsjahren half er dabei, Proxima im Norden Englands zu etablieren – heute leitet er das Geschäft in Großbritannien und Kontinentaleuropa. Die Expansion sieht er als große Chance und teilt in diesem Interview seine Perspektiven über die Zukunft von Proxima und deren Bedeutung für das Team.
Lass uns mit deinem Werdegang starten. Wo kommst du her, was ist dein Fachgebiet und was hast du vor Proxima gemacht?
Ich komme aus dem Norden Englands und lebe auch heute noch dort. Mein Fachgebiet ist der Einkauf – ich war schon immer im Procurement tätig. Wie viele andere bin ich mehr oder weniger zufällig in den Beruf geraten, nachdem ich mein Studium in Betriebswirtschaft und Chemie abgeschlossen hatte.
Im Laufe der Zeit habe ich mir ein tiefgehendes Verständnis dafür aufgebaut, wie der Einkaufsmarkt funktioniert, wie Beschaffungsteams denken und was CPOs, CFOs und Business Leader von ihrer Einkaufsabteilung erwarten.
Meine Karriere begann ursprünglich im Marketing, aber nach sechs Monaten merkte ich, dass die Einkaufsseite viel spannender war. Ich verbrachte einige Jahre damit, Industriebeleuchtung aus Europa und China zu beschaffen – eine interessante Erfahrung. Danach wechselte ich zu einer großen britischen Hotelgruppe, wo ich meine Karriere wirklich vorantreiben konnte. Über mehrere Jahre hinweg arbeitete ich mich nach oben und war schließlich zwei Jahre lang CPO, bevor ich zu Proxima kam. Und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.
Wie ist und war deine Zeit bei Proxima? Wie lange bist du schon dabei und wie hat sich deine Karriere entwickelt?
Im letzten Jahr feierte ich 20-jähriges Jubiläum. Ich bin im September 2004 zu Proxima gekommen. Damals hatten wir noch kein Büro im Norden Englands, aber mit der Otto Group unseren ersten Kunden in der Region gewonnen. Ein riesiger Versandhändler und eine spannende Chance für uns. Unser Ziel war klar: Wir wollten das Projekt zum Erfolg führen.
Zwei Jahre lang unterstützten wir Otto dabei, die Kosten ihrer Supply Chain zu optimieren. Meine Rolle war eine Mischung aus Kundenmanagement und operativer Umsetzung. Ich habe an Projekten zu White-Label-Versicherungen, Banking und Telekommunikation gearbeitet. Verglichen mit unserem heutigen Geschäft wirkt das fast wie eine andere Welt, aber ich blicke mit großer Freude auf diese Zeit zurück.
Kurz darauf gewannen wir ein Projekt mit Roadchef und das war der perfekte Moment, um Proxima im Norden Englands weiter aufzubauen. Etwa zur gleichen Zeit begannen auch andere große Unternehmen, nach Manchester und Leeds zu expandieren – der Schritt fühlte sich also genau richtig an. Einige Kolleginnen und Kollegen aus London schlossen sich uns an, andere kamen direkt aus der Region dazu. In dieser Phase stieß auch Clare Harris, unsere heutige COO, zu Proxima. Seit mittlerweile 18 Jahren wachsen wir gemeinsam mit dem Unternehmen.
Der große Durchbruch für die Region kam 2009, als wir WM Morrisons Supermarkets als Kunden gewinnen konnten – das war die ideale Basis, um unser Team weiter auszubauen. Keine Sorge übrigens, zu diesem Zeitpunkt hatten wir dann auch schon ein Büro vor Ort.
Ich schätze mich glücklich, bereits so viele Entwicklungsphasen von Proxima miterlebt zu haben. Damals herrschte ein echtes Start-up-Feeling mit viel Unternehmergeist, während wir als Unternehmen Fahrt aufnahmen. Ich war für Kostenoptimierungen zuständig und habe auch Unternehmensstrukturen für Kunden unter die Lupe genommen, später komplette Programme verantwortet und bin schließlich in die Rolle des Client Directors gewechselt. In dieser Funktion habe ich Kundenbeziehungen in der Region – und in Atlanta, aber das ist eine lange Geschichte – betreut und unser Wachstum vorangetrieben. Irgendwann in diesem Prozess fiel die Entscheidung, dass ich das UK-Geschäft leiten sollte und ich wurde Teil des Vorstands.
Seitdem ging es immer darum, großartige Ergebnisse für unsere Kunden zu erzielen und Proxima als Unternehmen weiterzuentwickeln – und das haben wir konsequent getan.
Kommen wir zu deiner heutigen Rolle als EVP Europe. Was sind deine Aufgaben, mit wem arbeitest du täglich zusammen und welche Themen deckst du ab?
Meine Zeit teilt sich grob in drei Bereiche auf. Ein Drittel widme ich internen Teams und Kollegen – von Board-Meetings über Coaching- und Entwicklungsgespräche mit Teammitgliedern bis hin zum Mentoring. Außerdem arbeite ich eng mit meinem Team aus Client Directors zusammen, um ihnen zu helfen, exzellente Ergebnisse zu liefern und die Gesamtperformance von Proxima weiter zu verbessern.
Das zweite Drittel meiner Zeit konzentriert sich auf Business Development: Ich nehme an Pitches teil, knüpfe und pflege Beziehungen und setze mich aktiv mit den Marktanforderungen auseinander.
Das zweite Drittel meiner Zeit konzentriert sich auf Business Development: Ich nehme an Pitches teil, knüpfe und pflege Beziehungen und setze mich aktiv mit den Marktanforderungen auseinander.
Du hast Proximas Wachstum über viele Jahre hinweg miterlebt. Was motiviert dich so auf dieser Reise?
Für mich sind es vor allem die Menschen und die Vielfalt. Das mag man heute über viele Branchen und Berufe sagen, aber ich kenne kaum eine Position, in der man an einem Tag in Zürich mit einem Finanzdienstleister über geschäftliche Herausforderungen spricht und am nächsten Tag in London mit einem europäischen Einzelhändler ähnliche Themen diskutiert.
Die Unterschiede zwischen diesen Geschäftskontexten, die Pflege der Kundenbeziehungen, die unterschiedlich großen Unternehmen und die jeweiligen Governance-Strukturen – das alles könnte nicht vielfältiger sein. Genau diese Abwechslung zieht sich durch meinen gesamten Arbeitsalltag: Kein Tag ist wie der andere, weil kein Kunde wie der andere ist. Dabei trifft man unheimlich viele spannende Menschen und baut langfristige Beziehungen auf. Einige unserer Kunden betreuen wir seit über zehn Jahren. Das zeigt, welchen Stellenwert der persönliche Austausch hat.
Und das gilt nicht nur für unsere Kunden, sondern auch intern, für das Team bei Proxima. Wir lernen voneinander, teilen Marktkenntnisse und sorgen dafür, dass unsere Ideen frisch und relevant bleiben. Die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten – als Team, das sich über verschiedene Branchen und Kunden hinweg austauscht, um immer das Beste für unsere Klienten herauszuholen – macht meine Arbeit so spannend.
Du hast die Menschen bei Proxima bereits angesprochen: Was zeichnet die Unternehmenskultur besonders aus?
Unsere Kultur ist kein Zufallsprodukt, sie ist das Ergebnis harter Arbeit. Wir setzen alles daran, dass unsere Teams die besten Voraussetzungen haben, um erfolgreich zu sein. Zusammenarbeit steht im Mittelpunkt. Unser Ziel ist es, unser gesamtes Know-how zu bündeln und unseren Kunden bestmögliche Lösungen zu bieten.
Wenn neue Kolleginnen und Kollegen zu uns stoßen, fragen sie mich oft nach meinen wichtigsten Ratschlägen. Meine erste Antwort ist immer: Es gibt keine dummen Fragen. Wenn du etwas nicht weißt, frag nach. Wir haben über 300 Procurement-Expertinnen und -Experten im Unternehmen und jemand wird entweder die Antwort kennen oder eine wertvolle Perspektive beisteuern können.
Deshalb ist es so wichtig, Wissen aufzusaugen, sich auszutauschen und von anderen zu lernen. Bei Proxima teilen wir unsere Erfahrung gern, fördern uns gegenseitig und investieren in die Entwicklung unserer Teams. Und genau dieses Miteinander ist es, was unsere Kultur ausmacht und uns antreibt, großartige Ergebnisse für unsere Kunden zu liefern.
Hat sich die Unternehmenskultur verändert, seit Proxima Teil von Bain & Company ist?
Trotz der unterschiedlichen Größen unserer Organisationen war einer der Hauptgründe für die Übernahme durch Bain, dass unsere Kulturen gut zusammenpassen. Es gibt viele gemeinsame Werte und Arbeitsweisen, die sich durch beide Unternehmen ziehen.
Natürlich gab es anfangs einige Herausforderungen, das ist ganz normal, wenn man zwei Teams aus unterschiedlichen Unternehmen zusammenführt und ein gemeinsames Leistungsangebot entwickelt. Doch von Anfang an waren die Synergien klar erkennbar und es entstand eine großartige Chance – für Proxima, für Bain und vor allem für unsere Kunden.
Im Laufe der Zeit haben wir etwas wirklich Besonderes aufgebaut, das nur durch unsere gemeinsamen Werte, eine ähnliche Arbeitsweise und eine geteilte Vision möglich wurde. Unsere Kunden sehen bereits den Mehrwert, unsere Teams profitieren von neuen Erfahrungen und Möglichkeiten – und diese Entwicklung wird sich mit der Zeit nur noch verstärken.
Mit Blick auf die Expansion in Europa: Was bedeutet es für Proxima, hier eine eigene Präsenz aufzubauen? Und was ist deine Vision dafür?
In zwei Worten: extrem spannend. Wir haben bereits bewiesen, dass wir in Europa erfolgreich arbeiten – für Proxima ist das kein Neuland. In den letzten 18 Monaten haben wir gemeinsam mit unseren Bain-Kollegen zahlreiche Projekte in den nordischen Ländern, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz umgesetzt – mit großem Erfolg. Die Nachfrage nach unseren gemeinsamen Lösungen ist hoch. Wir fangen also nicht bei null an, sondern schlagen nun tiefere Wurzeln.
Besonders spannend ist, dass wir mit unserem Büro in Düsseldorf nun einen festen Standort in Europa haben – ein Zuhause, von dem aus wir wachsen und expandieren können. Gemeinsam mit Bain werden wir von hier aus europaweit an neuen Chancen arbeiten und parallel unser eigenes Kundenportfolio aufbauen – für Unternehmen, die von einer maßgeschneiderten Proxima-Lösung am meisten profitieren.
Wir bringen eine erstklassige Umsetzungsexpertise aus Nordamerika und Großbritannien mit – ein Ruf, den wir uns über Jahre erarbeitet haben. In Europa haben wir bereits erste Erfolge erzielt und unser Können unter Beweis gestellt. Doch das ist erst der Anfang. Für mich ist das der Auftakt zu etwas noch Größerem.
Worauf können sich sowohl das bestehende Team als auch neue Kolleginnen und Kollegen am meisten freuen?
Ganz klar auf das enorme ungenutzte Potenzial. Der Markt ist längst nicht gesättigt – weder für unsere gemeinsame Arbeit mit Bain noch für Proxima-eigene Lösungen. Das bedeutet, dass es große Wachstumschancen gibt. Mit jedem neuen Teammitglied wächst nicht nur unsere Präsenz, sondern auch unsere Rolle als Trusted Advisor für CPOs, CFOs und Vorstände.
Dazu kommt die Möglichkeit, echte Veränderungen in komplexen Organisationen zu bewirken – durch Transformationsprogramme in den Bereichen Kostenmanagement und Kompetenzaufbau. Ich war schon immer stolz darauf, dass Proxima mit einigen der größten Unternehmen der Welt zusammenarbeitet. Bain verstärkt diesen Effekt noch einmal erheblich. Mit ihrer Expertise, ihrem Wissen und ihrem Netzwerk eröffnen sich für uns Herausforderungen, die eine klassische Procurement-Beratung kaum lösen könnte.
Würde ich meine Karriere im Einkauf neu starten oder nach einer Chance suchen, um große, transformative Projekte umzusetzen, wäre genau das die Gelegenheit, die mich begeistern würde.
Welche Art von Projekten setzt Proxima in der DACH-Region um oder plant sie künftig? Und welche Unternehmen profitieren besonders von eurer Unterstützung?
In vielerlei Hinsicht ist unsere Arbeit branchenübergreifend, insbesondere im Bereich des indirekten Einkaufs. Mit Blick auf den europäischen Markt setzen wir jedoch gezielte Schwerpunkte: Dazu gehören Advanced Manufacturing, insbesondere im Automobilsektor, Finanzdienstleistungen, Private Equity, Konsumgüter und der Einzelhandel. Im Bereich des direkten Einkaufs haben wir bereits eine starke Expertise und werden diese weiter ausbauen, um den spezifischen Anforderungen des europäischen Marktes gerecht zu werden. Aus einer strategischen Kostenperspektive unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihre gesamten Drittanbieter-Ausgaben zu optimieren.
Letztlich gilt: Wo immer ein Unternehmen Herausforderungen mit seiner Kostenstruktur, seinen Beschaffungsprozessen oder operativen Abläufen hat, können wir helfen. Das kann die Senkung externer Kosten, die Neustrukturierung der Einkaufsabteilung oder die Nutzung neuer, innovativer Lösungen umfassen.
Unser Fokus liegt dabei nicht einfach auf den günstigsten Optionen, sondern darauf, echten Mehrwert zu schaffen. Das bedeutet, dass wir über reine Kosteneinsparungen hinausgehen und auch strategische Themen wie Risikomanagement, Resilienz in der Supply Chain und die Dekarbonisierung der Beschaffung sowie Nachhaltigkeitsrichtlinien in den Blick nehmen.
Und abseits der Arbeit? Was machst du gerne und wie hältst du die Balance zwischen Job und Privatleben?
Natürlich ist mein Job fordernd, aber ich finde trotzdem Zeit, das Leben außerhalb der Arbeit zu genießen. Sport ist für mich ein wichtiger Ausgleich. Ich halte mich mit Radfahren, Padel und regelmäßigen Personal-Trainingseinheiten fit. Außerdem gehe ich gerne im Lake District wandern und verbringe viel Zeit damit, meine beiden Teenager-Töchter durch die Gegend zu kutschieren.
Mein voller Terminkalender im Job spiegelt sich wahrscheinlich auch in meinem Privatleben wider, aber ich habe an beidem großen Spaß. Und ich achte immer darauf, dass wir als Familie regelmäßig Zeit für eine kleine Auszeit und ein paar Sonnenstunden haben – darauf freue ich mich jedes Mal besonders.
Danke, dass du deine Einblicke mit uns geteilt hast! Gibt es noch etwas, das du über Proxima sagen möchtest?
Als ich bei Proxima angefangen habe, war es für mich einfach ein neuer Job – ich dachte, ich bleibe vielleicht ein Jahr. Jetzt sind es 20 Jahre und das liegt an der Branche, der Vielfalt, den Menschen, den spannenden Unternehmen, mit denen wir arbeiten, und der klaren Wachstumsambition von Proxima und unserem Mutterkonzern. Genau das macht die Arbeit so abwechslungsreich und hält meine Motivation hoch.
Zum Abschluss ein paar kurze Fragen, um dich noch besser kennenzulernen:
- Hast du Haustiere? Ein Cocker Spaniel namens Elsie.
- Lieblingsessen? Steak mit Pommes.
- Lieblingsmoment bei Proxima? Nach 20 Jahren gibt es zu viele, aber die Jahreskonferenz ist immer ein Highlight.
- Lieblingsreiseziel? Österreich.
- Spannendstes Projekt? Die Beschaffung von nuklearen Lagerboxen für Sellafield – eine einzigartige Herausforderung, die einen innovativen Ansatz erforderte und eine außergewöhnliche Kundenerfahrung war.
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