Eine zentrale Herausforderung für alle Unternehmen, die am Scope-3-Maturity-Benchmark teilnehmen – unabhängig vom organisatorischen Reifegrad oder dem Stand ihrer Scope-3-Initiativen – besteht darin, den benötigten Ressourceneinsatz zu definieren und diesen sinnvoll mit dem angestrebten Fortschritt zu verknüpfen.
Dabei gilt es, eine Balance zu finden: zwischen Investitionen, die Veränderungen ermöglichen, aber das laufende Tagesgeschäft nicht wesentlich beeinträchtigen. Wer überzeugend für Wandel argumentieren will, muss einerseits die Kosten für Passivität beziffern und andererseits klarmachen, welchen konkreten Beitrag gezielte Maßnahmen leisten können.
Besonders herausfordernd ist hierbei, dass Fortschritte bei Scope-3-Emissionen zumindest kurzfristig weder einsparungs- noch personalorientiert sind. Welche Argumente im Business-Case im Vordergrund stehen sollten, hängt stark vom jeweiligen Unternehmen, der Branche und den Entscheidungsträgern ab. Daraus ergibt sich, ob der Case eher auf Risiken oder auf Nutzen, auf harte Zahlen oder auf eine zukunftsgerichtete Vision ausgerichtet sein sollte – je nach Blickwinkel ergeben sich unterschiedliche Ansätze.
Wenn Sie einen Business-Case entwickeln müssen, um sich Finanzierung und interne Unterstützung zu sichern, können Ihnen die folgenden Maßnahmen und Fragen dabei helfen, ein fundiertes Rahmenkonzept zu erstellen:
Welche Kosten fallen in Ihrem Unternehmen für CO₂-Emissionen an?
- Bewerten Sie, ob Passivität zu langfristig höheren Gesamtkosten führen könnte – etwa durch CO₂-Abgaben oder Steuern.
- Beurteilen Sie den CO₂-Fußabdruck und multiplizieren Sie die ermittelten Emissionen mit einem geschätzten CO₂-Preis, um mögliche Zusatzkosten zu kalkulieren.
- Prüfen Sie, ob sich durch CO₂-Kosten der Gesamtpreis Ihrer Produkte oder Dienstleistungen spürbar erhöhen könnte
Bewerten Sie die Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn
- Analysieren Sie mögliche Wettbewerbsnachteile bei Kaufentscheidungen, die durch einen niedrigen „Green Score“ (Bewertung der Umweltfreundlichkeit) entstehen können.
- Schätzen Sie mögliche Umsatzeinbußen, indem Sie den potenziellen Geschäftsverlust an umweltfreundlichere Wettbewerber berücksichtigen.
- Ermitteln Sie den Investitionsbedarf zur Verbesserung Ihres „Green Score“ – gemessen an relevanten Branchenstandards.
- Beziehen Sie den möglichen Zusammenhang zwischen sinkenden Umsätzen bzw. Abschlussquoten und einem schwachen Nachhaltigkeitsprofil mit ein – insbesondere bei Kundengruppen, für die ökologische Kriterien entscheidend sind.
Berücksichtigen Sie, wie sich die Einhaltung von Vorschriften und Richtlinien auswirken
- Besteht die Gefahr, dass Vorschriften im Inland oder in anderen wichtigen Absatzmärkten nicht eingehalten werden?
- Führen Sie eine gründliche Überprüfung von bevorstehenden Vorschriften für Ihr gesamtes Unternehmen und Ihre Wertschöpfungskette durch.
- Machen Sie sich Folgendes bewusst: Fehlende Compliance kann nicht nur zu finanziellen Sanktionen führen (beispielsweise Bußgeldern), sondern auch zu wirtschaftlichen Nachteilen und Reputationsschäden.
Über Kosten hinausschauen – mit einer wirtschaftlichen Perspektive
- Erwägen Sie, ob eine höhere ESG-Bewertung (Environmental, Social and Governance) einen positiven Einfluss auf Ihre Finanzierungsmöglichkeiten hat.
- Bewerten Sie, wie sich Ihre ESG-Performance auf Ihren Zugang zu Kapital und auf Ihre Finanzierungskonditionen auswirkt.
- Beachten Sie, dass Unternehmen mit besserer ESG-Performance von Vorteilen bei den Finanzierungskonditionen profitieren können.
- Machen Sie sich bewusst: Im Umkehrschluss könnten Organisationen mit niedrigeren ESG-Scores diese Vorteile verpassen – und dadurch langfristig Wettbewerbsnachteile haben.
Stärken Sie Mitarbeiterbindung und -Engagement durch ESG
- Erwägen Sie, welchen Einfluss Ihre ESG-Performance auf aktuelle und zukünftige Mitarbeitende hat.
- Berücksichtigen Sie, dass ein gutes ESG-Profil die Bindung und Zufriedenheit Ihrer Mitarbeitenden positiv beeinflussen kann.
- Entwickeln Sie einen umfassenden Engagement-Plan, der klar auf Ihre ESG-Ziele abgestimmt ist.
- Unterstützen Sie diesen Plan durch eine effektive interne und externe Kommunikation, damit die Mitarbeitenden informiert und eingebunden werden.
- Machen Sie sich bewusst: Unternehmen mit einer überzeugenden ESG-Positionierung können im Wettbewerb um neue Kolleginnen und Kollegen klare Vorteile bei der Personalgewinnung und -bindung haben.
- Seien Sie darauf vorbereitet, dass Mitbewerber mit einer stärkeren ESG-Performance bei Gewinnung und Bindung von Fachkräften im Vorteil sein könnten.
Berücksichtigen Sie ESG als Hebel für Shareholder-Zufriedenheit
- Analysieren Sie, ob eine stärkere ESG-Performance in Ihrem Unternehmen mit höheren Renditen für Anteilseigner einhergeht.
- Erwägen Sie, wie sich nachhaltige Verfahren auf die langfristigen finanziellen Gewinne auswirken.
- Prüfen Sie, wie sich ESG-Ziele wirksam in Ihr Operating-Model integrieren lassen:
- Setzen Sie die ESG-Grundsätze wirksam ein, um kontinuierliche Verbesserungen im gesamten Unternehmen voranzutreiben.
- Umgang mit aktivistischen Investoren:
- Bereiten Sie sich darauf vor, dass aktivistische Investoren gezielt Veränderungen einfordern könnten.
- Setzen Sie strategische Anpassungen um, die auf Ihre ESG-Prioritäten einzahlen – und sichern Sie gleichzeitig das Vertrauen von Vorstand und Aufsichtsrat.
Sie können auch den Reifegrad Ihres Unternehmens einschätzen, indem Sie am Scope-3-Maturity-Benchmark teilnehmen – einem kollaborativen Programm, das Ihre Investitionen, personellen Ressourcen und laufenden Maßnahmen mit denen von über 170 Vergleichsunternehmen ableicht.
Die Ergebnisse des Berichts liefern Ihnen konkrete Daten und Handlungsimpulse, um Scope-3 gezielter anzugehen und Fortschritte schneller sowie verlässlicher zu erzielen.
Scope 3 Maturity Benchmark Report 2024
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